Eigenes Produkt

SimStrats

Wie wird aus Fahrerregeln, Rundenzeiten und Live-Telemetrie ein Plan, dem ein Team im Rennen vertraut?

Startseite von simstrats.com mit dem Leitsatz „Race like you cheated.“ und einer animierten Telemetrie-Karte.
Öffentliche Website, Oktober 2026. Die Telemetrie-Karte ist eine Animation der Startseite, keine echten Renndaten.

SimStrats plant Fahrerwechsel für Langstreckenrennen, liest während des Rennens Telemetrie aus der Simulation und hat einen KI-Renningenieur im Teamchat. Eine Webplattform mit Konten, Abos, Echtzeitdaten und Desktop-Anbindung.

Bereich
Rennstrategie für Sim-Racing-Teams
Zeitraum
2025–2026
Status
Live seit April 2026, geschlossene Beta
Plattformen
Web, Windows-Relay
Leistungen
Produktentwicklung, Webanwendung, Echtzeit-Backend, KI-Integration, Abrechnung und Betrieb

Ausgangslage

Bei Langstreckenrennen teilen sich mehrere Fahrer ein Auto. Wer wann fährt, hängt von Regeln ab (maximale Stintlänge, Ruhezeiten, Gesamtfahrzeit), von Rundenzeiten und Spritverbrauch und davon, was im Rennen tatsächlich passiert. Teams planen das bisher oft in Tabellen und Chatnachrichten.

Verantwortung

Vollständig bei CIDIX. Produktidee, Datenmodell, Strategielogik, Web-App, Echtzeit-Backend, KI-Anbindung, Telemetrie-Parser, Desktop-Relay, Bezahlung, E-Mails, rechtliche Seiten und Serverbetrieb.

Ergebnis

Eine öffentlich erreichbare Plattform in geschlossener Beta mit Stintplaner, Live-Dashboard, Team- und Rennchat, KI-Renningenieur, öffentlicher Rennseite, drei OBS-Overlays, Rundenanalyse mit MoTeC-Export und Abomodellen.

Zwei Rechner auf simstrats.com, ein Stint-Simulator und ein Boxenfenster-Rechner mit Schiebereglern.
Zwei interaktive Rechner der Startseite. Sie laufen als vereinfachte Simulation im Browser; die eigentliche Strategieberechnung liegt hinter dem Login.
Vorgänger Chronicle Strats mit Renninformationen zu einem 6-Stunden-Rennen in Spa und einem Teamchat.
Vorgänger Chronicle Strats, Entwicklungsstand August 2025. Die Stintplanung ist hier noch ein Platzhalter. Interne Kennungen wurden unkenntlich gemacht.

Drei Anläufe bis zum Produkt

SimStrats ist kein Wochenendprojekt, sondern der dritte Anlauf an derselben Frage. 2024 entstand ein erstes „Cidix Strategy Tool“ mit Express und MongoDB. Es kannte bereits Rennen, Fahrer, Stintdauer, Boxenzeit und Abwesenheiten, war aber ein Konzept. Im September 2025 folgte Chronicle Strats: Next.js, Convex, Clerk, ein erster Stintplaner und ein Teamchat.

Im April 2026 wurde das Produkt als SimStrats in einem neuen Codebestand aufgesetzt. Stintplaner und Live-Dashboard wurden aus Chronicle Strats übernommen und weiterentwickelt, das Datenmodell für Fahrer und Stints blieb in seinen Grundzügen gleich. Seit dem 28. April 2026 läuft die Plattform öffentlich auf einem eigenen Server.

Diese Vorgeschichte ist für die Fallstudie wichtig. Sie zeigt, dass die Fachlogik über mehrere technische Generationen getragen hat. Neu geschrieben wurde, was nicht mehr passte, nicht alles auf einmal.

Ein Stintplan ist ein Regelwerk

Ein Team trägt für jeden Fahrer Regeln ein: maximale Stintlänge, Mindestruhe, maximale Gesamtfahrzeit, Zeiten, in denen jemand nicht kann. Ein Validator prüft sieben Regeltypen und meldet Verstöße am konkreten Stint. Ein Solver erzeugt daraus einen Vorschlag für die Reihenfolge der Fahrer.

Die interessante Stelle sind gesperrte Stints. Wenn ein Teamchef einen Stint festgelegt hat, plant der Solver um ihn herum. Die gesperrten Minuten zählen sofort zur Gesamtfahrzeit des Fahrers. Das Ende des letzten Stints wird aber erst fortgeschrieben, wenn die Planung diesen Zeitpunkt tatsächlich erreicht. Sonst würde ein gesperrter Stint in drei Stunden denselben Fahrer schon jetzt wegen fehlender Ruhezeit blockieren.

Wie lang ein Stint wird, hängt von Rundenzeit und Verbrauch ab. Beide Werte werden pro Fahrer gestuft ermittelt: zuerst aus Rennrunden, dann aus Trainingsrunden, dann aus dem Median der Teamkollegen auf derselben Strecke, zuletzt aus Standardwerten. Daraus ergibt sich die Reichweite einer Tankfüllung und damit die Stintlänge.

Für Nachtrennen zeigt der Planer Tag- und Nachtphasen auf der Zeitleiste. Sie werden aus den Streckenkoordinaten mit einer astronomischen Näherung berechnet, ohne externen Dienst.

Telemetrie nur vom richtigen Fahrer

Während des Rennens liefert SimHub auf dem Rechner des Fahrers Daten aus der Simulation: Sprit, Reifen, Rundenzeiten, Bremsen. Gemeinsame Zuordnungstabellen übersetzen die Felder pro Simulation. Verifiziert auf echter Hardware ist bisher Assetto Corsa; ACC, iRacing und Le Mans Ultimate sind im Code vorbereitet.

SimHubFahrer-PC, 10 Hz Desktop-RelayRust, prüft den Fahrer ConvexEchtzeit-Backend Live-DashboardTeam im Rennen KI-Renningenieurschlägt nur vor Öffentliche SeiteToken, OBS, anonym
Schema des Datenflusses, für diese Fallstudie gezeichnet. Kein Screenshot.

Entscheidend ist, wessen Daten ankommen dürfen. In einem Team laufen oft mehrere Rechner mit SimHub, etwa beim Training oder als Zuschauer. Eine Prüfung nimmt Daten nur an, wenn der Absender als Fahrer eingetragen ist, auf derselben Strecke in einer Rennsitzung fährt und laut Plan gerade dran ist. Ruht die Simulation, werden keine Datenbankschreibvorgänge ausgelöst.

Die Desktop-App ist mit Tauri und Rust gebaut. Sie fragt SimHub zehnmal pro Sekunde ab, speichert ihren Zugangsschlüssel in der Windows-Anmeldeverwaltung und puffert Rundenspuren. Parser und Prüfregeln wurden eins zu eins aus TypeScript nach Rust übertragen und auf beiden Seiten getestet, damit Web und Desktop dieselben Entscheidungen treffen. Zugangsschlüssel speichert der Server nur als Hash. Ein verteilter Installer existiert noch nicht.

Die KI schlägt vor, ein Mensch entscheidet

Im Rennchat kann jedes Teammitglied den KI-Renningenieur mit @strats ansprechen. Die Anfrage geht mit den letzten Nachrichten an Gemini, jeweils mit dem Namen des Absenders, damit das Modell weiß, wer was gefragt hat. Die Antwort wird gestreamt und im Verlauf gespeichert.

Das Modell hat genau ein Werkzeug: Es kann eine Stintänderung vorschlagen. Der Vorschlag landet als offener Eintrag in der Datenbank und ändert nichts am Plan. Erst wenn jemand im Team auf „Übernehmen“ klickt, wird er wirksam. Im Rennen ist eine falsche automatische Änderung teurer als ein zusätzlicher Klick.

Jeder Tarif hat ein monatliches Tokenkontingent, das vor jeder Anfrage geprüft wird. Bei einer Sicherheitsprüfung fiel auf, dass ein Client Nachrichten als Assistent hätte ausgeben können. Seitdem schreibt nur noch ein serverseitiger Pfad, der ein gemeinsames Geheimnis verlangt, Antworten der KI in den Chat.

Teilen, ohne Namen preiszugeben

Ligen und Teams wollen Rennen zeigen, etwa im Stream. SimStrats erzeugt dafür einen Freigabelink mit einem 192-Bit-Token. Die öffentliche Seite und drei OBS-Overlays für Stints, Boxenfenster und Strategie lesen über eigene Abfragen. Fahrernamen werden dort durch Platzhalter wie „Driver A“ ersetzt. Die Overlays haben einen transparenten Hintergrund und lassen sich direkt als Browserquelle einbinden.

Betrieb gehört zum Produkt

SimStrats läuft auf einem eigenen Linux-Server hinter nginx, nicht auf einer Plattform, die Kosten und Grenzen vorgibt. Abonnements laufen über Clerk Billing; der Tarif eines Nutzers wird nur über einen signaturgeprüften Webhook gesetzt. Fehler landen in einem eigenen Protokoll mit Admin-Ansicht, eine öffentliche Statusseite zeigt den Zustand von API, Datenbank, E-Mail und KI.

Nutzer können ihre Daten selbst exportieren und löschen. Erinnerungsmails vor Rennstart, Einladungen per E-Mail und das Aufräumen veralteter Daten laufen als geplante Aufgaben im Backend.

Was noch fehlt

SimStrats ist in einer geschlossenen Beta, und das ist ernst gemeint. Die Strategie für reine Zeitrennen braucht noch eine feste Rundenzahl. Fahrerwechsel werden nicht automatisch erkannt, es gibt keine Positions- und Abstandsdaten zu Gegnern und noch keine mobile Rennansicht. Die Oberfläche der App ist bisher nur englisch. Vor einer offenen Beta stehen der Wechsel auf produktive Anmeldeschlüssel, eine rechtliche Prüfung und die Hardware-Verifikation weiterer Simulationen an.

Was diese Arbeit für Ihr Projekt zeigt

Das Rennen ist hier der Anlass, nicht die Grenze. Ein Stintplan mit Höchstdauer, Ruhezeit und Abwesenheiten ist strukturell eine Schicht- oder Einsatzplanung. Telemetrie, die nur von der richtigen Quelle angenommen wird, ist ein Problem jeder Geräteanbindung. Ein Sprachmodell, das Vorschläge macht, aber nichts selbst ändert, ist ein Muster für KI in jedem Fachwerkzeug.

SimStrats zeigt, dass CIDIX ein solches System vom Datenmodell bis zum zahlenden Nutzer entwickelt und betreibt. Und offen benennt, was davon fertig ist.

Technik und wofür sie da ist

Next.js 15 und React 19
Anwendung und öffentliche Website
Convex
Echtzeit-Datenbank, serverseitige Regeln, geplante Aufgaben
Clerk und Clerk Billing
Konten, Teams, Abonnements
Google Gemini
KI-Renningenieur mit Werkzeugaufruf
SimHub
Telemetriequelle der Rennsimulationen
Tauri 2 und Rust
Desktop-Relay für Windows, noch nicht verteilt
Jest und Playwright
Unit- und Ende-zu-Ende-Tests
nginx und PM2 auf eigenem Server
Betrieb ohne Plattformbindung